Was aktuell unter dem eher unscheinbaren Titel „Fotoausstellung Teil 2“ in den Räumen des ÖZ zu sehen ist, ist in Wirklichkeit ein Geheimtipp für Menschen aller Generationen, die sich in Lengfeld beheimatet fühlen. Zu sehen sind Bilder, Originaldokumente sowie eine digitale Bildershow aus den vergangenen 50 Jahren ÖZ.
Die Initiative für den Foto-Spaziergang stammt von Freundeskreis-Vorsitzenden Dr. Jochen Scheidemantel, umgesetzt wurde er von Alfred Söhlmann vom „ÖZ-Fotoclub“. Das habe sich als „deutlich schwieriger als gedacht“ erwiesen. Denn trotz vieler Aufrufe und persönlicher Anfragen sei die Anzahl der Rückmeldungen ernüchternd gewesen. Also habe er „auf die wenigen Foto-Dokumente der Anfangszeit, Fotos in digitaler Form von Frau Legge sowie Aufnahmen aus dem eigenen Archiv“ zurückgegriffen, erzählte Söhlmann bei der Eröffnung am 20. September. Aus den zunächst angestrebten 50 Ausstellungsbildern wurden dann doch 75 – eine Zahl, „die angesichts der vielen Aktionen und Gruppierungen im ÖZ gering ist und die Geschichte des ÖZ nicht wirklich zeigen kann“. Etwas mehr Einblicke ermöglicht die digitale Bildershow im evangelischen Gemeinderaum.
Eine Woche später führte Wolfgang O. Hugo kurzweilig und informativ in die Schau ein. Das „Urgestein der Lengfelder Gemeinden“ ist zwar im Frauenland aufgewachsen, feierte aber seinen 10. Geburtstag bereits in Lengfeld. Als Pfarrer Rieser 1965 nach Lengfeld kam, habe der ihm die Pfarrbücherei anvertraut und Hugo sei „in eine andere Welt eingetaucht“. Nach dem Abitur 1974 wurde er erstmals in den PGR gewählt.
Die frühesten Fotos stammen aus der Bauphase des ÖZ. Dem Bau vorausgegangen war eine Umfrage im März 1970, angestoßen vom damaligen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Alois Höfling. Dabei sprachen sich überwältigende 92 Prozent der befragten Gemeindemitglieder für ein gemeinsames Gemeindezentrum aus. „Nicht der Wunsch eines Pfarrers, sondern der der Basis war damit die Initialzündung für das ÖZ“, so Hugo. 1973 begann man mit den Bauarbeiten, die Grundsteinlegung fand symbolträchtig am 10.11.1974, dem Geburtstag Martin Luthers, statt. In der Gründungsurkunde, deren Worte bis heute zentral für den Geist des ÖZ sind, heißt es: „Wir bekennen damit vor den Bürgern der Gemeinde Lengfeld (…), dass wir zusammengehören, weil ein und derselbe Herr unser Gott ist.“
Die Weihe am 6. Und 7. Dezember 1975 musste aus kirchenrechtlichen Gründen in zwei Etappen vollzogen werden, so Hugo weiter: Der katholische Teil wurde am Samstagabend durch Bischof Josef Stangl und Pfarrer Wolfgang Rieser geweiht, der evangelische Teil am Sonntagvormittag durch Kreisdekan Rudolf Meisner und Pfarrer Theophil Weihrauch.
Während die Zeitungen seinerzeit titelten „Ökumene wuchs in Rekordzeit“, habe es in Lengfeld eine „ungeheure Aufbruchstimmung“ gegeben. Hugo erinnerte an die Gründung zahlreicher Gruppierungen wie Puppenbühne, Fotoclubs und Krabbelstube, an Lengfelder Namen wie die Familien Roth und Wolz, Franz Gatscher, Theo Kellerhaus, Wolfgang Engert, Wolfgang Hein. „Die Höflings haben in St. Lioba dafür gesorgt, dass der Gedanke der Ökumene über die Stromtrasse gesprungen ist.“ Albert Fuß sei zu verdanken, dass mit dem Wandteppich aus Aubusson (Departement Creuse) ein wenig Frankreich im ÖZ eingezogen ist. Durch Johanna Falk, Gründerin der Ökumenischen Nagelkreuz-Initiative in Würzburg, wurde die Stadt in das weltumspannende Versöhnungsnetzwerk aufgenommen, 2010/2011 war das Wandernagelkreuz im ÖZ zu Gast. Ein Vortrag von Werner Schwab „Die Ökumene ist nicht vom Himmel gefallen“ im November 1972 gilt als Startschuss für das Ökumenische Seminar, das jahrzehntelang von Barbara Hornung und Ursula Heineken getragen wurde. Ebenfalls nicht vorstellbar sei Lengfeld ohne die Partnergemeinde Pacoti in Brasilien, zu der dank Marianne Grave und dem Verein PLP enge Kontakte bestehen.
Das erste ÖZ-Sommerfest wurde 1977 gefeiert – durchgeführt vom frisch gegründeten Freundeskreises; dabei wurde deutlich, wie sehr der Hof verbindet. Nach der Eingemeindung Lengfelds am 1. Januar 1978 entstanden die Kürnachtalhalle und der Steg über die Kürnach, der seither als Verbindung zwischen Kirche und Welt gilt.
Unter den zahlreichen Ökumene-Treffen im ÖZ hob Hugo das Treffen des Weltkirchenrats am 14. Juni 1989 hervor: Damals waren unter dem Vorsitz von Günther Gassmann 35 Mitglieder aus 5 Erdteilen und 22 Nationen in Lengfeld zu Gast. Tief berührt zeigte sich der ÖZ-Kenner schließlich von der Osternacht, die die Lengfelder Christen seit einigen Jahren gemeinsam feiern.
Was Geographieprofessor Ulrich Ante 1995 unter der Überschrift „Ein gestaltetes Lengfeld ist Heimat“ schrieb, gelte bis heute, schloss Hugo. So habe sich der Stadtteil trotz Eingemeindung ein enges Zusammengehörigkeitsgefühl erhalten, bei dem die Kirche eine große Rolle spielt. Sehr deutlich wurde das im Jahr 2015, als ÖZ und Kürnachtalhalle zur Drehscheibe wurden und Kirche und Stadt Hand in Hand für die ins Land strömenden Menschen sorgten.
Anja Legge
Die Ausstellung läuft noch bis 25. Oktober 2026.





































