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Wärme, Heimat, Geborgenheit

Beim vierten Sommerabendlob im Hof des ÖZ ging es um das Thema „Wahrheit“.

Ein laues Lüftchen, warmes Sommerlicht, im Wind rauschende Blätter. Schöner kann ein Sommerabend kaum sein. Zum vierten Mal hat Michael Legge zum Sommerabendlob im Hof des Ökumenischen Zentrums eingeladen; dem ehrenamtlich engagierten Lengfelder liegt dieses Gebetsformat unter freiem Himmel besonders am Herzen. 

Während von der benachbarten Kürnachtalhalle und den Sportplätzen immer wieder fröhliche Stimmen und Musik herüberschallten, fanden sich rund 40 Gläubige ein, um gemeinsam zu lauschen, zu singen und zu beten. Thema in diesem Jahr war die Wahrheit. Legge hatte Lieder, Gebete und Fürbitten zusammengestellt, der Würzburger  Fundamentaltheologe Prof. Dr. Matthias Remenyi steuerte eine fundierte Predigt bei, für die musikalische Gestaltung sorgten Eva Remenyi (Geige) und Benedikt Kunze (Klavier) sowie Anja Legge (Kantorin).

„Das Thema Wahrheit hat viele Facetten“, zeigte schon die Einführung – angefangen bei der Frage des Pontius Pilatus beim Verhör Jesu bis hin zu scheinbar unterschiedlichen Wahrheiten in den sozialen Medien. Dass Wahrheit ziemlich ungemütlich sein kann, wurde in einem Lied aus dem Pop-Oratorium „Luther“ deutlich, wo es heißt: „Die Wahrheit ist ein scharfes Schwert, das die Mächtigen das Fürchten lehrt.“

Diakon Prof. Matthias Remenyi näherte sich der Wahrheit zunächst klassisch-definierend. Wahrheit fordere heraus, sei vorgegeben und lasse sich nicht selbst herstellen, sondern trage vielmehr ein eigenes Maß in sich, sagte er: „Nicht ich bestimme, was wahr ist, sondern die Wahrheit fordert mich ein, stellt mich unter ihr Maß. (…) Ob ein Sachverhalt wahr ist oder nicht, hängt nicht davon ab, ob Konsens über diesen Sachverhalt herrscht. Die Wahrheit eines Sachverhalts hängt vielmehr davon ab ob er der Fall ist.“ Wahrheit sei also die „Korrespondenz von Denkern und Sein, von Begriff und Sache, vom Urteil über die Wirklichkeit und dieser Wirklichkeit selbst“.

Dieser klassische Wahrheitsbegriff gilt für Matthias Remenyi auch und gerade für Jesu‘ Wahrheitsbegriff im Johannes-Evangelium (Joh 14, 1-12). Der Satz „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ sei doch gerade widerständig, sperrig, eine echte Zumutung. „Die personale Wahrheit Jesu können wir uns nicht zurechtzimmern“, so der Theologe weiter, sie fordere zur Entscheidung heraus, konfrontiere unser Leben mit ihrem Anspruch, wolle uns Maß und Richtschnur sein. „Wir müssen uns und unser Leben, unser Tun und Lassen an ihr messen lassen.“

Über Jahrhunderte habe man diesen Satz mit einem heilsexklusiven Selbstverständnis der katholischen Kirche verknüpft. Erst das Zweite Vatikanische Konzil habe den universalen, für alle Menschen gleichermaßen geltenden Heilswillen Gottes unterstrichen. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ sei damit ein „einladender, inklusiver niemanden ausschließender Hoffnungssatz“. 

Dass das Evangelium des Abends häufig bei Beerdigungen gewünscht wird, hänge wohl damit zusammen, dass Sätze wie „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ und „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten“ vielen Hinterbliebenen Kraft, Trost und Halt spenden. Die Wahrheit Christi sei damit vor allem „Wärme, Einladung, Heimat, Geborgenheit – ein Zuhause, das für immer gilt“. Zugleich trete dem Menschen in Jesus Christus Gott selbst gegenüber: „In ihm wird die Menschenfreundlichkeit Gottes ein Mensch unter Menschen. In ihm kommt uns die Barmherzigkeit Gottes mit offenen Armen entgegen. Wenn das kein Evangelium, keine frohe und frohmachende Botschaft ist!“

Anja Legge 

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