Wie kommt ein gebürtiger Rheinländer und ausgebildeter Physiotherapeut in die Seelsorge nach Unterfranken?
Von 1985 bis 1987 habe ich eine Ausbildung zum Physiotherapeuten in Koblenz und Mainz absolviert. 1988 bin in nach Würzburg an den Heuchelhof gezogen und habe bis 1997 in der Therapieabteilung am Zentrum für Körperbehinderte in der Berner Straße gearbeitet. Seit September 1997 bin ich hauptamtlicher Diakon der Diözese Würzburg. Meine Frau kommt aus der Rhön und lebt seit ihrem Studium in Würzburg. Ich kann mir bis heute keine schönere Stadt zum Leben vorstellen.
Parallel hast Du ab 1993 „Theologie im Fernkurs“ an der Katholischen Akademie Domschule studiert. Was waren Deine Beweggründe?
Von Klein auf war ich in der Kirchlichen Jugendarbeit zuhause und später fand ich dann durch meine Frau zur Theologie.
Nach Stationen in anderen Gemeinden kamst Du 2012 als Diakon nach Lengfeld. Wie hast Du die Menschen hier kennengelernt, was schätzt Du an Ihnen besonders?
Was ich von Anfang an bis heute mit großer Achtung und tiefer Dankbarkeit wahrnehme, ist die herzliche Offenheit der Menschen und das persönliche Vertrauen, das ich hier in Lengfeld bei vielen Hausbesuchen und Gesprächen erlebe.
Welche Aufgaben hattest Du in Lengfeld? Und wo lagen Deine Schwerpunkte?
Konstante Aufgaben waren die Erstkommunionvorbereitung und die Begleitung der Ministranten. Dazu kam der liturgische Dienst mit der Gestaltung von Gottesdiensten und Ansprachen zu unterschiedlichen Anlässen. Die Feiern von Taufe und Trauung und natürlich zahlreiche Trauergespräche und Beerdigungen. Weiterhin gab es in unregelmäßigen Abständen persönliche seelsorgliche Begleitung durch Gespräche und Besuche. In den letzten Jahren arbeite ich auch im Leitungstrio der Lengfelder Nachbarschaftshilfe mit.
Welche Momente oder Begegnungen haben Dich bei Deiner Arbeit ermutigt, was war besonders schwer?
Besondere Höhepunkt waren für mich immer dann, wenn ich mit Menschen zusammen den gemeinsamen Glauben gespürt und erlebt habe. Da braucht es dann nicht mehr viele Worte. Schwierig empfinde ich meine Arbeit, wenn es dabei eigentlich nur noch um Äußerlichkeiten geht.
Erstkommunionkinder und die Lengfelder Ministranten lieben Dich ganz besonders. Hast Du einen speziellen Draht zu Jugendlichen? Was war und ist Dir bei der Jugendarbeit besonders wichtig?
Ich glaube nicht, dass es bei mir da einen speziellen Draht gibt. Ich habe immer versucht, alle Menschen in ihrer besonderen Lebenssituation wahrzunehmen, sie wertzuschätzen und in ihrem eigenen Tun jeweils zu unterstützen und zu ermutigen.
Du warst auch Seelsorger in den Wohnanlagen für Körper- und Mehrfachbehinderte Kilianshof, Sankt Konrad und im Wohnheim am Wald (WaW) in Würzburg. Was unterscheidet diese beiden Aufgabenfelder, was verbindet sie?
Es geht in beiden Bereichen um Menschen, denen ich meine Aufmerksamkeit widme und denen ich über religiöse Glaubensinhalte begegne. Der Unterschied ist eigentlich nur die Herangehensweise, weil das Alltagseben mit einer Behinderung eben anders läuft und andere persönliche Anforderungen stellt.
Welche Bibelstelle ist für Dich eine Art Lebensleitwort?
Als Grundlage meines Glaubens steht für mich die ermutigende persönliche Zusage Gottes in Jes 43,1: „Jetzt aber - so spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir.“ Darüber hinaus sprechen mich – je nach Lebenssituation – auch immer wieder andere Gedanken aus der Bibel an.
Was ist für Dich wichtiger – reden oder handeln, Verkündigung mit Worten oder mit Taten?
Ich denke beides ist wichtig und das Eine geht nicht ohne das Andere.
Welches Ereignis in Lengfeld wird Dir besonders in Erinnerung bleiben?
Tief beeindruckt hat mich die Welle der Hilfsbereitschaft im ganzen Ort bei der Betreuung der Flüchtlinge in der Mehrzweckhalle und die vielfältige Kreativität der Menschen in der lähmenden Zeit der Coronapandemie.
Was möchtest Du dem Hauptamtlichen-Team im Pastoralen Raum Würzburg-Nordost mit auf den Weg geben?
Achtet bei allem, was ihr tut, auf die Grenzen eurer persönlichen Kräfte. Setzt bei eurer Arbeit Schwerpunkte und lasst lieber mal was anderes bleiben.
Geht man als Seelsorger wirklich voll und ganz in Ruhestand?
Eindeutig JA! In den 30 Jahren meines Diakonats musste meine Familie immer wieder hinter meiner Arbeit zeitlich und emotional zurückstecken. Was ich im Ruhestand noch tue, das ordne ich meiner Familie unter oder ich werde es lassen.
Worauf freust Du Dich im Ruhestand besonders?
Auf zweckfreie Zeit mit meiner Familie, auf das tägliche „Nix-Müssen“, auf Zeit zum Radeln, Wandern und Lesen und auf entspannte Zeit am Altmühlsee.
Die Fragen stellte Anja Legge
Die Verabschiedung findet im Gottesdienst am 13. September 2026 um 9.30 Uhr in St. Lioba statt.










