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"Im ÖZ hat sich der Geist Gottes breit gemacht"

Das Motto für den ökumenischen Jubiläumsgottesdienst zum 50. Geburtstag des Ökumenisches Zentrums Würzburg-Lengfeld hätte kaum passender gewählt werden können: „Dem Frieden trauen“. Warum, machte Pastor Christoph Schmitter in seiner Festpredigt sehr lebendig und glaubensfroh deutlich.

Zahlreiche Gläubige, Engagierte und Gäste konnten Pfarrer Dr. Harald Fritsch und Pfarrer Stefan Meyer am Ende Januar 2026 im gut gefüllten Heilig-Kreuz-Chor begrüßen. Beide zeigten sich „dankbar, dass ein solches gemeinsames Leben möglich ist“ und „dass wir das Leben in ökumenischer Weite teilen, gemeinsam lachen und weinen, feiern und arbeiten können.“ Die musikalische Gestaltung übernahmen Bernhard Fröhlich an der Orgel sowie der Katholische Kirchenchor Lengfeld, der ebenfalls sein 50-jähriges Bestehen feiert; zum Jubiläum legte der Chor unter der Leitung Paul Sagasser ein beschwingtes musikalisches Feuerwerk hin. Das dritte Jubiläum betraf den Verein „Partnerschaft Lengfeld-Pacoti“, der seit 30 Jahren Sozial- und Bildungsprojekte in der brasilianischen Schwestergemeinde unterstützt und das Lengfelder Gemeindeleben bereichert.

Festprediger Christoph Schmitter überraschte mit einem Songtext der Schweizer Band „Patent Ochsner“: „Komm und mach dich breit bei mir, alles was mir ist, gehört auch dir. Komm, steig auf die höchsten Äste und wenn du fällst, halte ich dich fest, wenn du wieder stehst, lasse ich dich los. Die Welt ist bunt und schön und groß. Vieles ist möglich, vieles geht nicht. Und oft ist der Unterschied zwischen dem Anderen und dem Einen viel kleiner als man denkt“ heißt es da im tiefsten Berner Dialekt. Dieser Text transportiert für den Pastor der Würzburger City Church „eine Haltung, die für Ökumene wichtig ist“. Die vergangenen 50 Jahre seien vermutlich geprägt davon, „trotzig zu glauben, dass der Unterschied kleiner ist als man denkt“. Der Vorsitzende der ACK Würzburg zollte den ÖZ-Christen Respekt für diesen Weg und versicherte zugleich: „Man bemerkt, dass sich der Geist Gottes hier breit gemacht hat.“ 

Zugleich sei man sich trotz der Friedenszusage im Evangelium (Joh 14, 26-27) auch in den Kirchen häufig „ganz schön uneinig“. Wo es aber gelinge, immer wieder Kompromisse zu machen und um Entschuldigung zu bitten, dort mache sich der Geist Gottes breit. Dass er die Festpredigt halten darf, interpretierte er als Symptom dieses Geistes, der nicht totale Einigkeit bedeute, sondern die „Kraft, die Unterschiede unter uns kleiner zu machen“ und wie Jesus „alle einzuladen und zusammenzuhalten“. Jesu‘ Frieden beschrieb Schmitter als „umfassenden Frieden einer geheilten Welt“. Dieser Friede ereigne sich manchmal ganz unscheinbar, illustrierte er anhand einer Episode aus seinem persönlichen Alltag. Vor allem aber vertreibe er die Angst: „Lasst Euch im Herzen keine Angst machen“, schloss Schmitter mit einem Satz aus dem Evangelium und ermutigte so für die nächsten 50 Jahre.

Domvikar und Ökumenereferent Prof. Dr. Petro Müller erinnerte in seinem Grußwort an die Gründungszeit des ÖZ, die „kirchlich und theologisch voller Aufbrüche“ war. Ökumene bezeichnete er als eine der „Haupt- und Wesensaufgaben der Kirche“; wichtig sei, „nicht nur in Gremien zu sitzen, sondern in der Praxis zusammenzuarbeiten“. Ökumene ist für ihn „eine Erfolgsgeschichte und bleibt es auch“, denn „sie lebt im Auftrag des Herrn und vom guten Willen der Beteiligten“.

Dekan Dr. Wenrich Slenczka überbrachte die Segenswünsche der evangelischen Kirche. Seine ersten Erfahrungen mit der Ökumene habe er vor 50 Jahren gemacht, als er ganz selbstverständlich mit seinen Klassenkameraden Schul-Gottesdienst in einer katholischen Kirche feierte. Entscheidend sind für ihn die „Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens“ und das Bewusstsein, „einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe“ (Eph 4,1-6) zu haben. Den Menschen im ÖZ wünschte er, dass ihre „Erfahrungen zum Beispiel werden“ und dass „das Band des Friedens weiterhin verbindet und andere einschließt“.

„Lengfeld ist ohne das ÖZ unvorstellbar“, zeigte sich die Vorsitzende des Lengfelder Bürgervereins Helena Illing überzeugt. Weit mehr als die Idee eines gemeinsamen Hauses sei es „Symbol für Zusammenhalt und Engagement der Lengfelder“ und bilde eine „Brücke zwischen Weltlichem und Geistlichem, Alt und Jung, Feiern und Innehalten“. Dass man hier tatsächlich allen Menschen und Gruppen Raum gibt, bezeichnete sie gerade in Zeiten der ausbleibenden Ortsmitte als ungeheuer wertvoll.

Christoph Lezuo, von 2002 bis 2023 evangelischer Pfarrer im ÖZ, blickte auf eine ganze Reihe persönlicher Highlights aus seiner Lengfelder Zeit zurück. Dann rief er mit zwei mitgebrachten Wollfäden Erinnerungen an das 30-jährige Jubiläum wach, bei dem zwei Wollknäuel durch den Heilig-Kreuz-Chor geworfen wurden, bis alle miteinander vernetzt waren. Für die Zukunft wünschte er dem ÖZ, dass es weiter „jene universale Geschwisterlichkeit vertritt“ und „menschlich miteinander verbindet“. 

Nach Sektempfang, einem leckeren kulturverbindenden Mittagessen mit Weißwurst und brasilianischem Fingerfood von den Mitgliedern des Partnerschaftsvereins und zugunsten der Partnergemeinde konnten die Anwesenden in die Bilder der Jubiläums-Ausstellung des ÖZ-Fotoclubs eintauchen und an einer ÖZ-Führung mit Alois Hornung teilnehmen. 

Anja Legge

Alle Bilder: Sebastian Schoknecht