Mit einem Gottesdienst unter dem Titel „Die Befruchtung der Erde durch den Heiligen Geist“ wurde die Ausstellung „Vida Movida“ mit Collagen, Aquarellen und Kalligraphien des Augsburger Künstlers Romuald Grondé im ÖZ beendet. Sie war ein Teil des Festprogramms zum Jubiläum „50 Jahre Ökumenisches Zentrum“.
In und mit Gott gehe es beziehungsreich und prozessvoll zu, eröffnete Pfarrer Stefan Meyer den Gottesdienst im evangelischen Heilig-Geist-Chor. Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist seien in sich schon Beziehung. Wer das Neue Testament aufmerksam lese, merke, dass Jesus von Nazareth auch eine persönliche Entwicklungsgeschichte hatte.
Pfarrer Frank Witzel verknüpfte diesen Impuls mit ganz konkreten Lebenserfahrungen des Wandels, der Entwicklung und des Sich-Findens. Das bewegt-bewegende Leben spiegele sich in der biblischen Geschichte wider, wenn etwa in der Erzählung vom Turmbau zu Babel Kulturleistungen auch kritisch gesehen werden, weil sie Menschen und Gesellschaften spalten können. Demgegenüber stünde die kulturelle Erfahrung von Pfingsten, die durch gemeinsame Verständigung ein neues, soziales Verhalten entwickeln könne.
In seiner Predigt betonte Witzel, dass das Grundproblem des Menschseins die Angst sei. Das Evangelium hingegen bedeute Entängstigung. Die Angst werde getröstet, angenommen und überwunden, „weil zwischen Gott und dem Menschen im Grunde alles in Ordnung“ sei. Witzel betonte: „Wir werden sterben – aber wir feiern das Leben, das den Tod überwindet. Unser Leben ist sinnlos – aber Gott gibt ihm einen Sinn durch die Liebe und wir nehmen sie an. Wir fühlen uns ungerecht behandelt und einsam – aber Gott ist nahe und setzt uns ins Recht. Wir brauchen nicht starr und unbeweglich sein aus Angst, etwas verkehrt zu machen. Wir machen sowieso alles verkehrt, aber Gott macht es gerade.“
Beim anschließenden Empfang ging es noch einmal um die ausgestellten Kunstwerke. Sie entfalteten ihre Kraft in besonderer Weise dann, wenn sie in den Dialog mit Gedichten der Romantik traten. Das bewegt-bewegende Leben wurde als Heimweg, „Heimfahrt“ interpretiert, berührte die inneren Empfindungen und steckte zur Hoffnung an.
Dabei zeigte sich auch: Evangelische Christen in lutherischer Tradition sind nicht bilderfeindlich und nehmen zugleich das Anliegen des biblischen Gebots „Du sollst dir kein Bildnis machen“ auf. Sie betonen poetisch, künstlerisch und spirituell, dass Kunst eine bildhafte Sprache ist, die auf etwas hinweist, das mehr ist, als das, was vorfindlich wahrgenommen wird. Sie lebt offensichtlich vom „Überschuss“ und vom hoffnungsschwangeren „Noch-Nicht“ – wie der Glaube auch.
Frank Witzel





