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Ökumene ist ein echter Schatz

Die Lengfelderinnen und Lengfelder haben ein rundum gelungenes ÖZ-Sommerfest gefeiert.

„Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnstatt; spare nicht! Spann deine Seile lang und stecke deine Pflöcke fest!“ Unter dieses Verheißungswort aus dem Buch Jesaja (Jes 54) hatten Schwester Maria Schmitt und Johannes Bindner den ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt des ÖZ-Sommerfest gestellt. 
Neben vielen Gemeindemitgliedern feierten auch die beiden Pfarrer Stefan Meyer und Harald Fritsch mit, letzterer freute sich besonders, nach längerer krankheitsbedingter Abwesenheit das Highlight des Lengfelder Festjahres mitfeiern zu dürfen. Die musikalische Gestaltung übernahm Ilona müßig und überraschte dabei mit Filmmusik an der Orgel.

Angesichts der ungewissen Zukunft seien die Worte, die Gott seinem Volk während des Exils in Babylon durch den Propheten Jesaja zuspricht, seien auch für heute passend, sagte Johannes Bindner in seiner Predigt. Denn sie strahlen Ermutigung, Zuversicht und Anpacken aus. Auch das ÖZ sei ein weites Zelt, unter dessen Dach evangelische und katholische Christen gemeinsam leben, beten, diskutieren und feiern. Wichtig sei es, nicht nur das Gebäude offen zu halten, sondern auch die Herzen. Vor dem Hintergrund schrumpfender Mitgliederzahlen und finanzieller Einschnitte gelte es, nicht zu sparen, sondern sich mit Herzblut und vollem Einsatz einzubringen und selbst zu investieren. Wichtig bleibe dabei, sich der Grundlage für die Weite bewusst zu bleiben. Denn: „Das ÖZ ist mehr als nur ein gesellschaftliches Projekt, der entscheidende Zeltpflock, der große gemeinsame Nennen, ist Jesus Christus“, so Bindner weiter. Maria Schmitt ergänzte die Ausführungen mit einem eigenen meditativen Gebet rund um den Jesaja-Text. 

Dass sich das Zelt des ÖZ und die ausgebreiteten Fest-Decken mit Leben füllen konnten, sei den vielen Ehrenamtliche zu verdanken, so Jochen Scheidemantel. „Mehr als 140 Helfende wollen dazu beitragen, das das ÖZ immer mehr zu Ihrem Lieblingsaufenthaltsort wird“, scherzte der Vorsitzende des Freundeskreises des Ökumenischen Zentrums gerührt. Damit bewahrheite sich einmal mehr das Wort des Hl. Laurentius, der nicht das Gold als Schatz der Kirche bezeichnete, sondern die Menschen. Nachdem Scheidemantel das Fest über Jahre hinweg mit großem Einsatz organisiert hatte, zeichnete in diesem Jahr erstmals das Festwirt-Team aus Andrea Schoknecht und Mathias Kunz verantwortlich.

Dass die Premiere rundum gelungen war, davon konnten sich die Besucherinnen und Besucher schon am ersten Abend überzeigen. Bei perfekter Sommerabend-Atmosphäre wurde an allen Tischen gelacht, geplaudert, diskutiert und gefeiert. Begleitet wurde der Abend von der Sängerin Karina Siren, die eingänge Pop-Songs aus mehreren Jahrzehnten interpretierte.

Den ökumenischen Fest-Gottesdienst am Sonntag hatten die Veranstalter unter das erweiterte Motto des Katholikentags gestellt: „Hab Mut, steh auf. Er ruft Dich!“ Die beiden Pfarrer Harald Fritsch und Stefan Meyer dankten der Gründergeneration, die vor 50 Jahren begonnen hat, Ökumene lebendig werden zu lassen, sowie allen Menschen im ÖZ, die beständig aufeinander zugehen, „damit die volle Gemeinschaft aller Christen bald Wirklichkeit wird“. Die beschwingte und freudesprühende musikalische Begleitung hatten der Kirchenchor unter der Leitung von Paul Sagasser sowie Organist Arno Leicht übernommen. 

Festprediger Weihbischof Paul Reder ging in seiner Predigt der Frage nach: „Wofür setzen wir unser Vermögen ein – wofür lohnt sich unser Einsatz?“ Unmissverständliche Antworten lieferten die drei Bibeltexte des Tages. Die Bitte Salomos um ein hörendes Herz (1.Kön 3,9) sei angesichts von Trennungsgeschichten in der Kirche, dem Schielen auf Äußerlichkeiten und der Versuchung, nur die eigene Stimme zu verstärken, zentral. Das verdichte sich auch im Programm des ÖZ-Jubiläumsjahrs mit Angeboten zu Bildung, Diskussion, Gebet, Feiern und Gemeinschaft. Im ÖZ, so Reder, lebe man eine wahrhaft „ökumenische Kardiologie“ und ein hörendes Herz. Die Zusage des Paulus, dass „denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht“ (Röm 8,28) verweise auf den Kern ökumenischer Hoffnung: Trotz vieler Abbrüche, Abwege, Verwundungen, Misstrauen und einem verdunkelten Zeugnis des Evangeliums sei Gott treu, spreche Wege der Versöhnung zu und stärke zum Zusammenwirken positiver Kräfte in Synergie. Die Gleichnisse vom Schatz im Acker und von der Perle (Mt 13,44/45) zeigen schließlich, was geschehen kann, wenn wir das Reich Gottes gefunden haben. „Dieser Schatz ist so wertvoll, das er alles andere relativiert. Und wer ihn entdeckt, kann nicht weitermachen wie bisher.“ Ökumene sie deshalb keine christliche Diplomatie, sondern die Reaktion auf eine Kostbarkeit. In einer Welt, die zu zerfallen droht, sei ökumenische Gemeinschaft ungeheuer wertvoll, weil sie die Freude des Findens betone. Ökumene sei demnach „keine Spezialdisziplin einzelner, sondern der Weg eines tiefen Evangelium-Gehorsams, eine Aufgabe und ein Ruf für uns alle“.  

Im Hintergrund hatten schon unzählige der insgesamt 140 ehrenamtlichen Helfender für ein reiches kulinarisches Angebot gesorgt und ein pralles Festprogramm für Groß und Klein vorbereitet. Die Blaskapelle unterhielt mit festlicher Volksmusik, die Stände verschiedener Gruppen und Vereine hielten Infos bereit und auch die Jüngsten kamen mit Kinderprogramm, Puppenbühne und Kinderflohmarkt nicht zu kurz.

Anja Legge 

Bilder in der Galerie von Anja Legge und Sebastian Schoknecht 

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