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Pfarrsekretärin Christine Flammersberger im Interview

Seit 26 Jahren ist Christine Flammersberger nicht nur Pfarrsekretärin von St. Lioba, sondern kümmert sich mit großem persönlichen Einsatz um Kirche und Menschen im Pilziggrund. Am 31. Mai 2026 geht die gebürtige Lengfelderin (Jahrgang 1960) in den Ruhestand.

Dass Du einmal als Pfarrsekretärin arbeiten würdest, hast Du vermutlich als junges Mädchen nicht gedacht. Ursprünglich hast Du ja etwas ganz anderes gelernt…
Ja, das stimmt. Ich stamme aus der Metzger-Familie Schömig aus Lengfeld. Im April 1960 sind wir in die Spiegelstraße gezogen und meine Eltern haben dort eine Metzgerei eröffnet. Nach der Realschule habe ich Fleischerei-Fachverkäuferin gelernt.

Wie kam es zum Wechsel ins Pfarrbüro?
Mit Freunden haben wir über Zukunftsträume gesprochen. Damals habe ich bedauert, dass ich den Beruf der Gemeindereferentin bei meinem Schulabschluss noch nicht kannte. Das hätte ich mir vorstellen können. Am selben Tag erzählte Pater Manfred, der damals schon in Lengfeld wirkte, dass er eine Nachfolgerin für Frau Wütschner sucht. St. Lioba war damals schon meine geistige Heimat und so habe ich mich beworben.

Welche Aufgaben hattest Du als Pfarrsekretärin?
Als ich am 1. Januar 2000 im Pfarrbüro anfing, gab es noch keinen Computer. Obwohl sich auch das Aufgabenfeld seitdem verändert hat, ist Pfarrbüro weiterhin erste Anlaufstelle zur Kontaktaufnahme – bei seelsorglichen Anliegen, Auskünften über unser Gemeindeleben und für Hilfesuchende. Außerdem natürlich Telefondienst, Post, Gottesdienstbestellungen, Erstellung von Jahreskalender, Gottesdienstordnung, Organisten-, Lektoren- und Kommunionhelferplänen, Meldewesen, Anschreiben von Erstkommunionkindern und Firmlingen, Geburtstage, Jubiläen, Neubürger- Anschreiben sowie Abrechnungen für Caritassammlung, Messtipendien und Stolgebühren. Diese Liste könnte ich noch um vieles ergänzen.

Was hat Dir am meisten Freude bereitet?
Verwaltungsaufgaben erledige ich zwar gerne, aber der Kontakt mit den Menschen hat mir am meisten Freude bereitet. Für die Menschen da sein, ein offenes Ohr haben, zuhören, Zeit haben – das hat mir stets viel Freude bereitet. Manche Verwaltungsaufgabe musste dann eben warten bis nach der Arbeitszeit.

Welche Herausforderung galt es zu meisten?
Im Kontakt mit den Menschen ist es oft nicht leicht, „richtig“ zu agieren. Daher habe ich ehrenamtlich über die charismatische Erneuerung mehrere Fortbildungen besucht, bei denen es um Seelsorge der Laien geht. Das hat mich für Begegnungen mit Menschen in unterschiedlichen Situationen „ausgerüstet“ und mich und mein Leben bereichert.

Welches Ereignis in St. Lioba wird Dir besonders in Erinnerung bleiben?
Da gibt sehr viele Erinnerungen. Bei der Feier einer Osternacht fing zum Beispiel einmal ein Tuch Feuer. Mein Mann sprang auf und löschte die Flammen mit der bloßen Hand. Jahrelang war unsere Familie mit anderen Aktiven für das Fällen und Aufstellen des Christbaums verantwortlich. In einem Jahr hatten wir einen großen, wunderschönen Baum. Als dieser endlich stand, kippte er plötzlich auf das große Kreuz über dem Altar, dann auf das Vortragekreuz und das ewige Licht. Oder der spontane Wortgottesdienst an einem Erntedanksonntag, weil der angefragte Aushilfspriester nicht kam.

Hat Dein Beruf Deine Beziehung zum Glauben und zur Kirche beeinflusst? 
Für mich ist es umgekehrt: Mein Glaube war eine gute Grundlage für meine vielfältigen Arbeiten im Pfarrbüro. Für mich ist eine lebendige Beziehung zum Herrn lebensnotwendig – mit der Eucharistie als intensivste Begegnung mit Jesus. Das Wort Gottes ist für mich Leitfaden und ich brauche die Gemeinschaft im Glauben.

Welche Bibelstelle ist für Dich eine Art Lebensleitwort?
„An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ (Joh 13,35). Diesen Vers trage ich schon lange mit mir und er wird mich wohl immer begleiten, denn das Ziel habe ich noch lange nicht erreicht. Aber ich arbeite daran.

Worauf freust Du Dich im Ruhestand besonders? 
Ehrlich gesagt, kann ich es mir noch gar nicht so richtig ohne Pfarrbüro vorstellen. Bei 13 Wochenstunden im Pfarrbüro blieb immer auch Zeit für Dinge, die mir Freude machen. Denn das ist wichtig: Lebe dein Leben, jeden Tag. Sicherlich werden mein Mann Horst und ich viele Ausflüge mit unserem Oldtimer machen. Vielleicht auch öfters spontan mit Übernachtung, einfach mal bleiben, wo es uns gerade gefällt. Außerdem freue ich mich auf Zeit für die Familie und mit den sieben Enkelkindern zwischen 3 und 23 Jahren, Zeit im Garten, Lesen, Jazzkonzerte, Zeit für Freunde und weiter auf meiner „Glaubensreise“ unterwegs zu sein.

Was möchtest Du dem Hauptamtlichen-Team mit auf den Weg geben?
Ich glaube, dass ein lebendig gelebter Glaube das Wichtigste ist. Trotz vieler Veränderungen ist es nicht das Wesentliche das alles mitzumachen oder zu erfüllen, sondern die Freude am Glauben zu leben, sich vom Heiligen Geist erfüllen und befähigen lassen und ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Menschen zu haben.

Und welchen Rat gibst Du Deiner Nachfolgerin oder Deinem Nachfolger? 
Lengfeld ist eine tolle Gemeinde und es gibt viele Engagierte, die sich mit ihren Fähigkeiten einsetzen und unser Gemeindeleben bereichern. Geh offen auf diese Menschen zu; sei mutig, um Hilfe zu fragen; sei offen für die Anliegen der Menschen; wage es auch mal nein zu sagen, und vor allem: Habe viel Freude an der Arbeit!

Die Fragen stellte Anja Legge