Für den Vorsitzenden des ÖZ-Freundeskreises war es eine besondere Freude, dass die Ausstellung am Tag des Jubiläums-Gottesdienstes zum 50. Geburtstag des ÖZ eröffnet werden konnte. Über die Wechselbeziehungen von Fotografie und Kunst im Spannungsfeld zwischen abbildendem Zeitdokument und eigenständigem Kunstwerk informierte dann Kunsthistorikerin M.A. Julia Meister-Lippert. Als Geburtsstunde der Fotografie könne demnach das von Joseph Nicéphore Niépce entwickelte Verfahren der Heliographie gelten, das 1826 erstmals gelang. Die Weiterentwicklung mit Louis Daguerre führten 1839 zur ersten öffentlichen Präsentation der Daguerreotypie als erstes kommerziell nutzbares Fotografie-Verfahren im 19. Jahrhundert. Dass 1959 die ersten Fotografien in den Salon de Paris aufgenommen wurden, sei Indiz für die Einordnung von Fotografien als Kunstform. Zugleich entbrannte in jener Zeit ein Streit um die Frage, ob Fotografie Kunst ist: Einerseits schätzten die Künstler des Impressionismus Fotografien als Gedächtnisstütze und zum Ausloten ungewöhnlicher Perspektiven und Ausschnitte. Andere Zeitgenossen sahen im Fortschreiten der Methode „eine gefährliche Konkurrenz zur Porträtmalerei“. Erst mit dem Piktorialismus, einer kunstfotografische Stilrichtung zwischen 1900 und 1920, sie die Fotografie als Kunstform etabliert worden, berichtete Meister-Lippert. Kernargument sei, dass es bei einer Fotografie eben nicht nur um das reine Abbild, sondern „um eine Interpretation der Wirklichkeit aus Sicht des Fotografen“ gehe.
In den letzten Jahren würden die Verflechtungen zwischen Fotografie und Malerei immer enger, beide Kunstformen „profitieren stark voneinander“. „Im heutigen visuellen Zeitalter“, so Meister-Lippert weiter, „werden wir täglich mit Bildern überschüttet“, zugleich habe die „Fähigkeit zu sehen“ drastisch nachgelassen. Für die Kunsthistorikerin ist dies bedauerlich, sei doch das Sehen immer auch „ein Teil des schöpferischen Prozesses“. Um das Sehen als bewussten Akt immer wieder zu pflegen, eigne sich die Ausstellung des ÖZ-Fotoclubs hervorragend. Die Fotografe überraschen die Betrachtenden mit einfühlsamen Pflanzen- und Tieraufnahmen, ausdrucksstarken Porträts, großartig eingefangenen Landschaften, spektakulären Architekturperspektiven und überraschend neuartigen Fotomontagen.
Anja Legge
Die Ausstellung ist noch bis 19. Februar in den Räumen des ÖZ zu sehen.
Fotos: Alfred Söhlmann (3) und Sebastian Schoknecht (1)












