Mit einem ökumenischen Festgottesdienst zum 50. Weihetag des Ökumenischen Zentrums (ÖZ) sind die Lengfelder Christinnen und Christen in ihr Jubiläumsjahr gestartet. Dass man ein ganzes Festjahr lang feiere sei Ausdruck der „Selbstverständlichkeit, mit der evangelische, katholische und orthodoxe Christen an denselben Gott glauben und mit der wir hier eine Basilika mit zwei Chören zur Ehre Gottes nutzen“, so der evangelische Pfarrer Stefan Meyer. Er und sein katholischer Mitbruder Pfarrer Dr. Harald Fritsch zeigten sich dankbar für 50 Jahre gelebte Ökumene.
Bau und Weihe des ÖZ am zweiten Advent des Jahres 1975 fallen in eine Zeit der Aufbrüche: Das II. Vatikanum hatte große Erwartungen geweckt und Hoffnungen ausgelöst. Getragen von der ökumenischen Aufbruchstimmung der Würzburger Synode war in Lengfeld die Idee eines gemeinsamen Hauses für katholische und evangelische Christen entstanden. Bei einer Befragung durch den Pfarrgemeinderat im März 1970 stimmten überwältigende 92 Prozent der Gemeindemitglieder für ein gemeinsames Gemeindezentrum. In der Gründungsurkunde wurde dann auch festgehalten, „dass wir zusammengehören, weil ein und derselbe Herr unser Gott ist“. Als Ziel setzte man sich, „die Augen vor der Last des anderen nicht verschließen“ und „die Einheit in Christus zu leben versuchen“. Das Motto „Wir glauben an den einen Gott“ war vom Vorbereitungsteam aus Monika Bulla, Gertrud Krenzer-Scheidemantel, Michael Legge, Dieter Thomas und Angelika Lux-Leppert also keineswegs zufällig gewählt.
Als Festpredigerin hatte der Vorsitzende des ÖZ-Freundeskreises Dr. Scheidemantel Jochen die Oberkirchenrätin Gisela Bornowski gewinnen können. Sie bezeichnete das ÖZ und seine Gründungsvision als „bewegendes Statement zur ökumenischen Einheit“. In der Zwischenzeit sei zwar so manche Ernüchterung in der Ökumene eingetreten; die große Vision einer apostolischen Kirche sei noch nicht erreicht, viele Hoffnungen wie die wechselseitige Anerkennung der Ämter und die Eucharistiegemeinschaft nicht erfüllt, so die evangelische Regionalbischöfin. Doch die Bibel kenne sich aus mit der Enttäuschung von Hoffnungen und Erwartungen. Auch die Christen der Frühzeit hätten gehofft, dass es schneller geht mit dem Reich Gottes, doch die Realität sah anders aus.
Gerade im Advent gehe es eben nicht nur um das Kommen Jesu an Weihnachten, sondern auch um „das andere Kommen Jesu am Ende der Zeiten, wenn das Reich Gottes vollendet wird“. Das im Lukas-Evangelium (Lk 21, 25-33) geschilderte Ende der Welt mute schrecklich an. Aber die Weltuntergangsszenarien haben nicht das letzte Wort: „Am Ende steht nicht Chaos, sondern Heil. Der Menschensohn wird Erlösung und Rettung bringen. Das ist die Hoffnung des Advent.“ Mit dem Bild des Feigenbaums ermutigt Lukas zu Geduld im Warten auf Gott. So wie die Barbarazweige jedes Jahr mitten im Winter aufblühen, könne „jederzeit Neues aufbrechen. Gottes Liebe und Frieden können jetzt schon anfangen.“
Gisela Bornowski forderte dazu auf, nach Blüten und Vorboten der neuen Welt suchen, Hoffnung gegen die Angst zu setzen, aufrecht einzustehen für Liebe und Frieden, sensibel zu sein für das Unheil, aufmerksam gegenüber Hass und Gewalt, einzutreten für Gerechtigkeit. Hoffnungsfrohe Aufbrüche gebe es schließlich auch heute, sagte Gisela Bornowski und erinnerte an die die Augsburger Erklärung 1999, die Gründung der AcK 2002 sowie die vielen Aktivitäten in ökumenischer Verbundenheit, die seit 50 Jahren in Lengfeld stattfinden. „Sie haben es vorgemacht! Alles das sind Knospen am Baum der Ökumene. Aus der Knospe wird ein Blatt und aus vielen Blättern wird ein Sommer.“ Bekräftigt wurde der gemeinsame Glaube an den einen Gott anschließend im großen Glaubensbekenntnis von Nicäa und Konstantinopel, das vor 1700 Jahren entstanden ist.
Wunderbar getragen war der Gottesdienst von den beschwingten Jazzklängen dreier musikalischer Profis: Klaus Wangorsch (Trompete, Flügelhorn), Gerhard Cäsar (Saxophon, Klarinette, Flöte) und Christiane Dehmer (Klavier, Orgel) sorgten mit ihrer Musik für wahrlich mitreißende Feststimmung von der ersten bis zur letzten Note.
Nach dem Gottesdienst luden die Lengfelder Minis zu einem gemeinsamen Mittagessen in den Pfarrsaal, was gerne und in großer Zahl angenommen wurde.
Anja Legge



























